Arbeiten Winzer:innen im Winter?

Veröffentlicht: 2022-02-02 12:15:20
Kategorien: AKTUELLES

Arbeiten Winzer:innen im Winter?

Langeweile kommt selbst bei Kälte und Schnee nicht auf...

Nach einem meist turbulenten Weihnachtsgeschäft kehrt für Winzer:innen in den ersten Monaten des neuen Jahres bei der Arbeit etwas Ruhe ein, doch...

Arbeiten Winzer:innen im Winter?


Während sich im Weinberg die Rebstöcke zur Winterpause „zurückziehen“, sich erholen und Kraft fürs kommende Frühjahr sammeln, arbeiten die Winzer:innen eifrig in den Weinbergen. Sie bereiten alles für das neue Weinjahr vor.

Bei Wind und Wetter, aber am liebsten bei Sonnenschein, strömen sie in die Weinberge und schneiden ihre Reben. Die gewachsenen, langen Ruten* (=Zweige) des Vorjahres müssen radikal gekürzt werden, damit die Reben im Frühjahr beim Austrieb nicht zu viel Kraft verlieren. In der Regel lassen die Winzer:innen an jedem Rebstock ein bis zwei Ruten stehen, kürzen diese auf jeweils zwei oder drei Augen* (=Knospen). Alle anderen Ruten und Augen schneiden sie weg. Dies ist die erste Maßnahme im Jahr, um auf die Wuchsform des Rebstocks und auf die spätere Traubenmenge Einfluss zu nehmen. Je weniger Ruten und Augen die Winzer:innen den Rebstämmen belassen, desto geringer – aber dafür aromenintensiver – fällt im Herbst der Traubenertrag aus.

Foto: BettinaMeister.com

Erfahrung ist gefragt

Für Winzer:innen ist das Rutenschneiden viel Handarbeit, aber auch Kopfarbeit. An jedem Rebstock muss einzeln bestimmt werden, welche der vielen Ruten die kräftigsten sind und somit stehen bleiben oder welche mit der (elektrischen) Rebschere wegschnitten werden. Für Laien wäre die Entscheidung nicht einfach, da viele Ruten eines Rebstocks annähernd gleich stark aussehen. Erfahrung ist gefragt! Doch es bleibt immer ein Restrisiko, wenn die Winzer:innen nur ein oder zwei Ruten stehen lassen. Gibt es Frost, dann hat die Rebe kaum eine Chance auf einen erneuten, späteren Austrieb, wenn die wenigen Ruten erfroren sind. Für ein oder zwei weitere Jahre treibt sie dann oft nicht mehr aus.
Die abgeschnittenen Ruten müssen nach dem Schneiden aus den Drähten der Rebanlagen herausgezogen werden, damit die nachwachsenden im Frühjahr Platz haben. Das erfordert erneut Handarbeit, denn Reben sind Kletterpflanzen. Ihre Ranken umschlingen wie kleine Arme mit wilden Umdrehungen die Drähte, um daran Halt zu finden. Optisch schauen sie hübsch „gekringelt“ aus, doch zum Herausziehen der Ruten sind die Ranken eine tatsächliche Herausforderung. Wer zu kräftig an ihnen reißt, läuft Gefahr, die Drähte zu beschädigen. Ist die Arbeit erledigt, kontrollieren die Winzer:innen in den Weinbergen die Pfähle und die zwischen ihnen gezogenen Drähte, reparieren oder ersetzen sie gegebenenfalls. Dünger wird ausgebracht, beispielsweise Kelter-Rückstände von Traubenschalen und -kernen. In frostreichen Gebieten lockern die Weingärtner:innen zum Schutz des Rebstocks vor Frost an dessen Basis die Erde.
Bestmöglich wird im Winter in den Weinbergen alles vorbereitet, damit die Reben ab dem Frühjahr perfekt in ihrem Wachstum unterstützt werden. So können die Winzer:innen das restliche Jahr über ihren Blick und ihre Fürsorge voll und ganz auf die Reben konzentrieren.

Auch Kontrolle ist Arbeit


Parallel dazu steht das Überwachen der Weine im Keller an. Die meisten von ihnen gären in den ersten Monaten des Jahres noch, je nachdem, welchen Geschmack und welche Weinart die Winzer:innen anstreben. Die regelmäßige Kontrolle bleibt nicht aus, unabhängig davon, ob die Weine bald gefüllt werden oder noch länger auf der Feinhefe lagern sollen. Winzer:innen sprechen hierbei zwar vom „kontrollierten Nichtstun“ im Keller, doch auch Kontrolle ist Arbeit, die erledigt werden muss. Und damit im Frühjahr die ersten Weißweine des Vorjahres in den Verkauf können, sollte im Keller für die Füllung der Flaschen alles vorbereitet sein. Glasflaschen, Verschlüsse, Kapseln und Etiketten werden bestellt und bereitgestellt. Filter- und Abfüllanlagen mit all ihren benötigten „Accessoires“ wie Schläuchen, Dichtungen & Co. müssen überprüft werden.
Falls den Winzer:innen bei all dieser Arbeit im Winter noch etwas Freizeit bleibt, sind viele von ihnen draußen in der Natur anzutreffen, vorzugsweise beim Skifahren in den Bergen. Wenn die Zeit knapp ist und im eigenen Weinberg ausreichend Schnee liegt, wird auch dieser mancherorts spaßeshalber zur Skipiste.

Unsere Tipps für Sie in der kalten Jahreszeit:


Tipp 1: Sichten und sortieren Sie Ihren Weinbestand. Im Frühling wissen Sie dann direkt, welche Bestände Sie mit den neuen Jahrgängen auffüllen sollten. Damit Sie das Jahr über einen guten Überblick und Ihre Weine stets in der richtigen Trinktemperatur gekühlt haben, empfehlen wir beispielsweise einen

2-Zonen-Weinklimaschrank von EuroCave

Tipp 2: Machen Sie einen Spaziergang durch die Weinberge und nehmen Sie sich ein paar der abgeschnittenen Ruten mit. Zu Hause in einer Vase treiben sie nach ca. vier bis sechs Wochen wunderbar hellgrüne Blätter aus und läuten so den Frühling ein. Später im Jahr machen sich kurz geschnittene Stücke der Ruten mit Ranken hübsch als Dekoration auf einem Geschenk.


*Eine Rute ist ein „Zweig“, der aus dem Stamm der Rebe hervorwächst; ein Auge ist eine Verdickung am „Zweig“, aus der im Frühjahr der Austrieb eines neuen Zweiges erfolgt.



Text: Bettina Meister