Weintourismus - deutsche Weinbaugebiete Teil 1

Veröffentlicht: 2021-07-23 12:00:56
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Weintourismus - deutsche Weinbaugebiete Teil 1

Rheinhessen ist flächenmäßig das größte deutsche Weinbaugebiet. Die ca. 26.500 ha Rebfläche liegt zwischen Bingen, Mainz, Alzey und Worms. Überwiegend bekannt ist das Gebiet für Weißweine aus Müller-Thurgau, Silvaner, Riesling, Kerner und Scheurebe. Die „Liebfrauenmilch“, ursprünglich ein hochwertiger Riesling aus Worms, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zum Exportschlager und somit auch beliebt für Fälschungen. Nach und nach wurde aus dem Gewächs ein lieblich-süßer Massenweißwein, der heute noch rund 30 Prozent Anteil am deutschen Weinexport hat. Im Gegensatz dazu stehen Rheinhessenweine mit hohem Qualitätsanspruch wie beispielsweise die Rieslinge vom Roten Hang in Nierstein und traditionell erzeugte Winzersekte. In den Weinbergen entlang der hessischen Weinstraße befinden sich viele Trulli als Schutzhütten – kleine weiß getünchte Rundhäuser, wie man sie sonst nur in Apulien findet.


Ausblick über die Riesling-Weinberge bei Bingen

Wenn wir gedanklich schon in Italien sind, sollte auch die Pfalz als zweitgrößtes deutsches Weinanbaugebiet mit ihren rund 23.500 ha nicht unbeachtet bleiben. Geselligkeit wie in südlichen Ländern wird dort gelebt: Unzählige Weinfeste (das größte der Welt findet in Bad Dürkheim statt), Wander- und Rad-Tourismus entlang der Deutschen Weinstraße, kleine Orte mit schnuckeligen Fachwerkhäusern, Innenhöfen und Feigenbäumen laden zum Verweilen ein. Ob die Pfälzer so aufgeschlossen und fröhlich sind, weil sie den Pfälzer Wein bei ihren Straßenfesten gerne aus Halblitergläsern trinken? Oder weil die Pfalz die Grenzregion zu Frankreich ist? Die Weißweine sind bekannt als herzhafte, kräftige Begleiter zu deftigen Speisen. Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl liebte angeblich den Pfälzer Saumagen und dazu einen Pfälzer Riesling. Ursprünglich mit Müller-Thurgau, Riesling, Kerner, Silvaner und Scheurebe ein „Weißweinland“, verzeichnen die Pfalzweine seit Jahren einen Zuwachs an Rotweinen wie Dornfelder und Portugieser.


Weinreben in der Pfalz

„Badischer Wein - von der Sonne verwöhnt“ lautet der Slogan für das deutsche Weinbaugebiet Baden, in demfast 15.800 ha Rebfläche bewirtschaftet werden. Es ist das südlichste, das längste und zugleich das einzige deutsche nicht zusammenhängende Weinanbaugebiet. Die drei Teile erstrecken sich von Tauberfranken über den Kraichgau bis zum Bodensee. Baden ist für Burgunderweine und Gutedel bekannt. Der Lößboden, insbesondere am Kaiserstuhl, und das warme Klima sorgen dafür, dass die Weine aus Weiß-, Grau-, Spätburgunder eine große Ähnlichkeit zu französischen Gewächsen aus dem Burgund aufweisen. Aus der Rebsorte Gutedel werden innerhalb Deutschlands einzig im badischen Markgräflerland Weine erzeugt – eine regionale Weinspezialität. Im nördlicheren Teil von Baden wachsen vermehrt Riesling und Rivaner. Da die badischen Winzer aufgrund der südlichen Lage des Weinbaugebiets mit der Lese meist als erstes beginnen, läutet im Herbst der badische Federweißer die neue Weinsaison ein. Er ist der erste, junge, noch nicht fertig gegorene Wein. Im Glas „tanzen“ die Hefen wie kleine weiße Federn, daher sein Name.


Weinreben am Bodensee

Württemberg folgt mit nahezu 11.400 ha von der Größe her dicht auf Baden und ist ein typisches „Rotweinland“ (70 Prozent): Trollinger, Lemberger und TL - die Kombination aus beidem – sowie Schwarzriesling und Samtrot stehen als Württemberger Weine hoch im Kurs, neben internationalen roten Rebsorten wie Spätburgunder, Merlot und vielen anderen. Bei den Weißweinsorten dominieren Riesling, Müller-Thurgau und Kerner. Der „Kennerkopf“ mit dem Slogan „Kenner trinken Württemberger“ steht für die vielen Weingärtnergenossenschaften, die in diesem Anbaugebiet ansässig sind. Alteingesessene Württemberger „schlotzen ihr Viertele“ aus dem Henkelglas, in das 0,25 Liter hineinpassen. Ein Klassiker ist auch der Schillerwein, bei dem bereits vor der Gärung die weißen und roten Trauben vermischt werden. Doch Württemberg ist nicht nur vom traditionellen Weinbau geprägt, sondern mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg und mit den beiden Hochschulen für Weinmarketing und Wein-Technologie-Management in Heilbronn für neue Rebzüchtungen und Fortschritt bekannt.

 
Weinreben in Stuttgart

Geradezu gegensätzlich zu Württemberg ist die Rebsortenverteilung im knapp 8.800 ha großen deutschen Weinanbaugebiet Mosel. Riesling ist dort mit über 60 Prozent aller Rebsorten die Nummer eins, wächst auf rund 5.000 ha. Riesling edelsüß (dafür ist die Mosel weltbekannt), Riesling halbtrocken, Riesling feinherb und natürlich auch Riesling trocken. Das Anbaugebiet gilt als älteste Weinregion Deutschlands. Die Rebsorte Elbling, die an der Obermosel zur Erzeugung von Winzersekt verwendet wird, soll seit über 2000 Jahren dort angebaut werden. Auf den Spuren der Römer kann man die wundervolle Landschaft mit ihren steilen Weinbergen an den Flüssen Mosel, Saar und Ruwer erkunden. Viele der rund 5.000 Winzer in den 125 Weinorten des Anbaugebietes bieten in ihren Weingütern an der Mosel Weinproben an. Ein Zwischenstopp bei einer Weinwanderung oder eine Weinreise an die Mosel lohnt sich immer. Schieferböden dominieren das Anbaugebiet. Und wer einmal oben im Weinberg auf den rutschigen kleinen Schieferplättchen stand und fast senkrecht unter sich den Fluss sieht, der kann nachvollziehen, welche Arbeit es ist, solch einen Weinberg zu bewirtschaften.

 

Unser Tipp: Interessant ist beispielsweise die Verkostung von Weinen der gleichen Rebsorte aus unterschiedlichen Weinanbaugebieten. Das Terroir, die Böden und das Klima, lassen sich auf diese Weise anschaulich herausschmecken. Wenn Sie nicht alle deutschen Weinbaugebiete bereisen können oder möchten, finden Sie bei gut sortierten Weinfachhändlern qualitativ hochwertige Weine aus allen Regionen. Besonders spannend ist eine Vertikalverkostung – die Degustation von verschiedenen Jahrgängen – um zu erleben, wie gereifte Weine gegenüber jungen Weinen schmecken. Da ältere Jahrgänge nicht so leicht im Handel zu finden sind, kaufen Sie am besten die aktuellen Jahrgänge und lassen diese ein paar Jahre (oder Jahrzehnte) ruhen. Bei fachgerechter Lagerung, zum Beispiel in einem Eurocave-Weinklimaschrank der Serie Royal, reifen die Weine unter optimalen Bedingungen. Nach ein paar Jahren sind Sie Besitzer einer eindrucksvollen Weinsammlung und können die gereiften Weine gemeinsam mit neuen Jahrgängen verkosten.