Sind Bio-Weine besser?

Veröffentlicht: 2021-10-22 09:26:39
Kategorien: AKTUELLES

Sind Bio-Weine besser?

Biodynamischer, ökologischer oder konventioneller Weinbau?

In Deutschland werden ca. neun Prozent aller Weinberge (rund 9.600 Hektar; Stand 2019) ökologisch bewirtschaftet, mit steigender Tendenz. Doch der Großteil der Weine wird immer noch konventionell erzeugt.

Was ist Bio-Wein?

Ein Erzeuger darf seinen Wein nur dann als Bio-Wein, Öko-Wein, ökologischen Wein oder Wein aus ökologischem bzw. biologischem Anbau bezeichnen, wenn er beim Anbau im Weinberg und beim Ausbau im Keller bestimmte EU-Richtlinien einhält. Wer sich als Winzer dazu entscheidet, muss seinen Betrieb und seine Rebflächen anmelden und ab dem Anmeldejahr mindestens drei Jahre entsprechend bewirtschaften (Flächen in Umstellung). Erst im Jahr danach, nach erfolgter Kontrolle, darf der Wein mit dem EU-Bio-Logo als Bio-Wein gekennzeichnet werden.
Vielen Bio-Weinerzeugern jedoch gehen die EU-Richtlinien nicht weit genug. Sie fordern stärkere Maßnahmen und sind deshalb zusätzlich Mitglied in einem der Verbände für ökologische Landwirtschaft und Weinbau: Bioland, demeter, EcoVin, Naturland, Biodyvin, respect-Biodyn oder Biokreis.

 

Worin liegt der Unterschied zwischen ökologischem und konventionellem Weinbau?

Wer seinen Blick über die Weinberge schweifen lässt, erkennt schnell die Unterschiede: Beim ökologischen und insbesondere beim biodynamischen Weinbau möchten die Weinerzeuger ein ausbalanciertes Ökosystem im Weinberg erhalten. Dieses zeigt sich unter anderem in den begrünten, blühenden Flächen unter den Rebstöcken, in denen viele Insekten schwirren. Wo nichts oder nur reines Gras zwischen den Rebzeilen wächst, dort wird in der Regel konventionell gearbeitet.

 

Konventioneller Weinbau

Chemisch-synthetische Substanzen sorgen dafür, dass weder Unkraut, Pilzbefall, Mehltau oder schädliche Insekten die Rebstöcke in ihrer Monokultur stören. Beim Düngen wird überwiegend mit Kunstdünger gearbeitet. Durch diese chemischen Hilfsmittel, die stark und teilweise auch langfristig wirken, ist die Bearbeitung der Rebflächen wesentlich weniger arbeitszeitintensiv als beim Bio-Anbau. Der konventionelle Winzer muss seltener mit dem Traktor durch die Rebzeilen fahren, spart also nicht nur Zeit und Sprit, sondern reduziert auch seinen CO2-Ausstoß. Gleichzeitig wird der Boden allerdings durch die chemischen Keulen geschwächt: Mikroorganismen, Pilze und nützliche Tiere, wie beispielsweise Würmer und Insekten, leiden stark darunter. Die Weinpflanzen sind dann ebenfalls geschwächt. Das führt wiederum dazu, dass die Rebstöcke durch Kunstdünger, Fungizide und Herbizide unterstützt werden müssen. Ein Teufelskreis, der kaputten Boden sowie evtl. chemische Rückstände im Wein als Resultat mit sich bringt.

 

Ökologischer bzw. biologischer Weinbau

Ein gesunder Boden sorgt für eine gesunde Rebe, das ist die Devise beim Bio-Anbau.

In einem ökologischen Weinberg wachsen um die 50 Wildpflanzenarten unter und zwischen den Rebstöcken. Sie lockern mit ihren Wurzeln den Boden, helfen Stickstoff verfügbar zu machen und locken mit ihren bunten Blüten zahlreiche nützliche Insektenarten an. In manchen Monaten schaut es zwischen den Rebzeilen wie im „Dschungel“ aus, denn die Pflanzen wachsen bis zu einem halben Meter hoch. Chemische Herbizide kommen nicht zum Einsatz, Unkraut muss mechanisch entfernt werden. Für die Düngung dürfen nur Humus, Kompost oder andere organischen Nährstofflieferanten (alle rein aus biologischem Anbau) verwendet werden.

Beim Pflanzenschutz dürfen nur reiner Schwefel und Kupfer gegen den echten und falschen Mehltau und gegen Pilze eingesetzt werden. Dieser Einsatz ist einer der Kritikpunkte beim Bio-Anbau. Denn fährt der konventionelle Winzer einmal durch den Weinberg, um Chemie zu versprühen, muss der Bio-Winzer mindestens sieben Mal spritzen, um den gleichen Pflanzenschutz zu erhalten. Sieben Mal fahren bedeutet mehr Kraftstoff-Verbrauch, mehr CO2-Ausstoß und durch den Traktor eine stärkere Bodenverdichtung. Das sorgt bei einigen Bio-Winzern für Unbehagen und befürwortet sie in ihrer Entscheidung, neuere, pilzwiderstandsfähigere Rebsorten, sogenannte PiWis, zu pflanzen, die weniger oft gespritzt werden müssen.

 

Biodynamischer Weinbau

Weinerzeuger, die sich dem biodynamischen Weinbau verschrieben haben, bewirtschaften ihre Weinberge nicht nur nach den ökologischen Grundsätzen, sondern nach den Lehren des Anthroposophen Rudolf Steiner. Das gesamte Ökosystem mit seinen natürlichen Ressourcen soll geschont und ein Zusammenwirken von irdischen und kosmischen Kräften gefördert werden. Wann Reben gepflanzt, geschnitten, gespritzt oder wann die Trauben geerntet werden sollen, das gibt der Mond-Sonnen-Kalender vor.

Außerdem versuchen die Biodyn-Weinbauern mit natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln die Widerstandsfähigkeit der Rebstöcke zu stärken. Aufgüsse aus Brennnesseln wirken sich beispielsweise positiv auf die Reben aus, sorgen für Harmonie im Weinberg. Quarzstaub, bei richtigem Sonnen- und Mondstand gespritzt, soll den Blättern bei der Fotosynthese helfen und später eine tiefere Farbe des Weins bewirken. Manch neidischer, konventionell arbeitende Winzer unterstellte einst zu Unrecht seinem geheimnisvoll mitten in der Nacht spritzenden Biodyn-Nachbarn, dass es bei diesem nicht mit legalen Mitteln zugehe.

Einiges aus dem biodynamischen Anbau lässt sich nicht wissenschaftlich erklären, aber die gesunden Reben und die tiefgründigen Weine geben den Verfechtern dieses Ansatzes Recht. Verbände, die sich auf biodynamischen Weinbau konzentrieren, sind demeter, Biodyvin und respekt-Biodyn.

 

Sind Bio-Weine besser?

Hefen sind dafür verantwortlich, dass aus dem Zucker im Traubensaft durch Gärung Alkohol entsteht.

Durch die Zugabe von Hefen lässt sich die Gärung perfekt kontrollieren, und durch bestimmte Reinzuchthefen werden einzelne Aromen im Weingeschmack stärker hervorgehoben (beispielsweise Aprikosenaroma).

Viele Bio-Winzer geben keine Hefen zu, sondern bevorzugen die weinbergeigenen, natürliche Hefen auf den Traubenschalen. Die spontanvergorenen Weine („Spontis“) schmecken deshalb anders als Weine mit Reinzuchthefen.

Spontanvergärung kann riskant sein, denn wenn zu wenige natürliche Hefen vorhanden sind, gären die Weine nicht vollständig durch, bleiben hängen, wenn es im Keller im Winter zu kühl wird, und es entstehen nur restsüße und keine trockenen Weine. Bei Bio-Winzern liegen Spontis zwar im Trend, doch ist die Spontanvergärung keine Pflicht, um das EU-Bio-Siegel verwenden zu dürfen.

 

Ein deutlicher Unterschied zwischen Bio-Wein und konventionellem Wein besteht auch bei der Menge des zugesetzten Schwefels, der ab 10 mg/l als „Enthält Sulfite“ auf der Flasche deklariert werden muss. Geschwefelt werden darf im Weinausbau an drei Stellen des Herstellungsprozesses: im Most, nach Beendigung der Gärung und vor Flaschenabfüllung, um die Weine stabiler und länger haltbar zu machen. Bei Bio-Weinen liegt die maximal erlaubte Menge je nach Weinsorte um bis zu einem Drittel unter dem von konventionellen Weinen.

 

Aufgrund des niedrigeren Schwefelgehaltes sind insbesondere geöffnete Bio-Weine nicht so lange haltbar. Wir empfehlen generell, bei angebrochenen Flaschen einen Vakuumverschluss zu verwenden, um den Wein vor Oxidation geschützt aufzubewahren. Beim Eurocave Multitemperaturschrank Tête á Tête sind zwei Vakuumaufsätze im Lieferumfang enthalten. Die Weine lassen sich im „Tête á Tête“ praktischerweise direkt auf die richtige Trinktemperatur kühlen.

@Fotocredits: Bettina Meister von bettinameister.com